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Kleiner Baum

Ein Herz für die Wurzel – Mehr Bäume für Dresden

In Dresden wie auch in anderen Großstädten wird viel gebaut, die innerstädtischen Bereiche sind stark verdichtet und es herrscht eine ständige Konkurrenz um Platz. Daraus ergeben sich Konflikte mit dem Gehölzschutz. Beispielsweise werden bei Schachtarbeiten häufig Wurzeln durchtrennt und im Zuge vieler Bauarbeiten Flächen mit wasserundurchlässigen Deckschichten wie Asphalt oder Beton befestigt. Boden wird durch unnötiges Parken oder Befahren zu stark verdichtet. Für die Baumgesundheit ebenfalls gefährlich, ist das zu dichte Bauen unter Baumkronen, aber auch das Lagern von Abfällen, Baumaterialien und anderen schädigenden chemischen Substanzen. Zusätzlich belasten nicht sachgemäß abgeführte Abwässer, Unkrautvernichtungsmittel, große Düngemengen und im Winter der Einsatz von Tausalzen das Wurzelsystem und somit das gesamte Gehölz.

Anfang März wurde der Geltungsbereich der Gehölzschutzsatzung wieder auf den gleichen Umfang wie vor 2010 erweitert. Die bis dahin geltende Unterscheidung zwischen bebauten und unbebauten Grundstücken, die auf dem Sächsischen Naturschutzgesetz beruhte, entfällt seither. Somit sind auch auf bebauten Grundstücken alle Bäume ab einem Stammumfang von 30 Zentimetern geschützt – unabhängig davon, ob es sich um Laub- oder Nadelbäume handelt. Ebenso sind Birken, Pappeln und Weiden auf bebauten Grundstücken (wieder) geschützt, Obstbäume ab einem Stammumfang von 60 Zentimetern. Ob es sich um einheimische Gehölze handelt oder nicht, ist für den Schutzstatus nach der Gehölzschutzsatzung dagegen nicht relevant.

Der Leiter des Umweltamtes Wolfgang Socher erläutert dazu: „Mit Ende der Schonzeit jetzt im Herbst möchten wir alle Grundstückseigentümer und -pächter noch einmal auf diese Novellierung hinweisen. Da Bäume und Sträucher in Dresden einen erheblichen Beitrag zur klimafreundlichen und lebenswerten Stadtgestaltung leisten, begrüßen wir die Änderungen in der Gehölzschutzsatzung. Neben Krone und Stamm wird oftmals vergessen, dass der Gehölzschutz nicht auf Bodenhöhe endet. Die Wurzel eines Baumes ist ein faszinierendes Versorgungssystem und gleichzeitig sehr empfindlich. Bei Baumaßnahmen aber auch beim Streuen im Winter sollte man diesen Aspekt im Blick behalten“.

Die Hauptaufgaben der Wurzel

Die Wurzel hat im wesentlichen drei Hauptaufgaben zu erfüllen: Sie sorgt für Standfestigkeit des Gehölzes, sie versorgt die oberirdischen Pflanzenteile mit Wasser und Nährstoffen und sie speichert Assimilate für den Neuaustrieb im Frühjahr sowie als Reserve. Assimilate sind Zucker- und andere Kohlenhydratverbindungen und speichern Energie in der Pflanze. Das Wurzelsystem eines Baumes erreicht im Boden mindestens die Ausdehnung der Krone. Oft ist das Wurzelsystem auch wesentlich größer und kann in Abhängigkeit von der Baumart und den Bodenverhältnissen Tiefen von bis zu 2,5 Metern erreichen.

Welche Wurzelarten gibt es?

Generell unterscheidet man Tief- bzw. Pfahlwurzler, Herzwurzler und Flachwurzler:

  • Pfahlwurzler, wie die meisten Kiefernarten, bilden schon als Keimling und Jungpflanze sehr tief schräg bis senkrecht in den Boden wachsende Wurzeln.
  • Bei den Herzwurzlern, wie der Linde oder der Buche, breiten sich nicht nur Pfahlwurzeln oder nur Flachwurzeln aus, sondern eine Mischform – die sogenannte Herzwurzel.
  • Die Wurzeln der Flachwurzler wie der einheimischen Rot-Fichte wachsen sehr flach und breiten sich nur knapp unterhalb der obersten Bodenschicht weitläufig aus.

Die Bedeutung der Wurzel bei Baumaßnahmen

Das Wissen um die Bedeutung der Wurzel ist sehr wichtig bei Baumaßnahmen im Umfeld von Bäumen sowie bei der Bemessung von Wurzel- und Entwicklungsraum im Zuge von Neupflanzungen. Aber auch bei der alltäglichen Nutzung, zum Beispiel beim Parken im Hinterhof oder der Errichtung kleinerer Bauten wie Schuppen oder Schauer, sollte der Wurzelschutz beachtet werden.

Wolfgang Socher, Leiter des Dresdner Umweltamtes, sagt dazu: „Es kommt leider gar nicht so selten vor, dass Gehölze aufgrund von Baumaßnahmen unabsichtlich zum Absterben gebracht werden. Gerade Altbäume reagieren auf Veränderungen des Standortes und der Bodenwasserverhältnisse sehr sensibel. Das führt bei einzelnen Baumarten dazu, dass schon die Errichtung einer Tiefgarage im Nachbargrundstück zum Absterben führen kann. Daher möchten wir auch die Bauherren und alle am Bau beteiligten Gewerke sensibilisieren, den Baum- und vor allem den Wurzelschutz zu beachten. In einigen Fällen kann auch die Umsetzung eines noch jungen Gehölzes eine gute Lösung sein.“

Und was kann der einzelne Grundstückseigentümer zum Baumschutz beitragen?

Eigenen Bäumen sollte genug Stand- und Wurzelraum eingeräumt werden. In ausgeprägten Trockenperioden sollten die Eigentümer die Gehölze unter dem Kronenbereich bewässern. Und Zurückhaltung beim Gehölzschnitt ist gern gesehen: Nur notwendige Schnitte, am besten durch eine Person vom Fach, durchführen lassen. Dort, wo im Herbst das Laub unter den Baumkronen beseitigt wird, kann Komposterde oder speziellen Gehölz-Dünger den Baum stärken.
Wolfgang Socher erklärt abschließend: „Wir empfehlen einen Blick ins Internet, zum Beispiel ins Baumpflegeportal. Auch viele weitere Internetseiten stellen neben Beschreibungen und Bildmaterial auch gute Video-Tutorials für Interessierte bereit. Der Naturschutzbund Deutschland, kurz NABU, und der BUND bieten im Internet ebenfalls fundierte Tipps zur Gehölzpflege“.

(photo: wires-crossed)

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