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Wieder ein Kultur-Lockdown. Wieder keine nachhaltige Öffnungsperspektive? Weichen für 2G+ müssen jetzt gestellt werden!

Die Live-Initiative Sachsen (LiSA) macht sich in einem aktuellen Statement Luft. Dort heißt es:

Täglich spitzt sich die Corona-bedingte Überlastungssituation in den sächsischen Krankenhäusern weiter zu; Kapazitäten sind so gut wie erschöpft; Ärzte sehen immer sicherer einer Triage-Situation entgegen und das verbliebene Pflegepersonal steht permanent vor dem Zusammenbruch. In rasanter Geschwindigkeit wurde Sachsen von dieser Entwicklung überrollt. Obwohl die niedrige Impfquote laut Expert:innen zwangsläufig dazu führen musste, zeigt sich die Staatsregierung vollkommen überrascht und absolut überfordert. Die viel zu späte Reaktion Anfang November: Flächendeckende Einführung von 2G.

Konsequent umgesetztes 2G+ macht sichere Räume möglich

Während Clubs seit dem 23. September in der Praxis ohnehin ausschließlich für Geimpfte und Genesene öffnen konnten, wurde mit der Schutzverordnung vom 5. November die sogenannte 2G-Option ab Inkrafttreten der Vorwarnstufe gestrichen. Wie zuvor für 3G-Veranstaltungen wurde zudem eine Masken- und Abstandspflicht erlassen, was Clubevents und Stehkonzerte praktisch unmöglich machte und die erneute Schließung der Veranstaltungsorte ab dem 8. November zur Folge hatte. Dass manch eine Spielstätte eigenverantwortlich lange schon 2G+ praktizierte und aufgrund dessen keine einzige belegte Infektion zu verzeichnen hatte, wohl aber andernfalls unerkannt Infizierte aus dem Verkehr ziehen konnte – das fällt in der politischen Debatte trotz unserer Hinweise hinten runter. Nun, da 2G+ auch bundespolitisch ein Thema ist und die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen wurde, sei es in Sachsen dafür zu spät. Im Anschluss an den neuerlichen Kulturlockdown brauchen wir daher endlich eine differenzierte Risikobewertung. Konsequent umgesetztes 2G+ macht sichere Räume möglich! 

Lockdown als ultima ratio – Verständnis und Zweifel

Allen ist bewusst, dass trotz 2G+ ein gewisses Restrisiko von Gästen im Anschluss an eine Veranstaltung ausgeht, das zwar äußerst gering ausfällt, aber bei den momentan extremen Inzidenzen schwer tragbar erscheint. Aufgrund der viel zu spät gestarteten Booster-Impfkampagne sind aktuell zu viele, besonders ältere Menschen trotz Impfung gefährdet. Ein aktueller Lockdown mag daher helfen, diese Menschen zu schützen. Und die Betreibenden dutzender Clubs und Livemusikspielstätten in Sachsen und der überwiegende Teil der Gäste haben – neben allem Gram – äußerstes Verständnis für einschneidende Maßnahmen, um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Mehrheitlich haben sie bereits in der Vergangenheit ihren Anteil geleistet, haben sich impfen lassen und zeigten sich kooperativ und kreativ im Umgang mit Berufsverbot und Kulturentzug. Auch wir, die Live Initiative Sachsen, unterstützen gerne jedes Mittel, das recht und geeignet ist, nötigenfalls auch den Lockdown der sächsischen Kultur. Wir müssen allerdings weiterhin stark bezweifeln, dass ein solcher im aktuellen Zusammenhang einen nennenswerten Einfluss haben wird. Die Nebenwirkungen der Maßnahme hingegen werden weitgehend außer Acht gelassen oder billigend in Kauf genommen. 

Lockdown der Kultur verlagert das Geschehen zunehmend ins Verborgene
Der Rückhalt seitens der um ihre Jugend betrogenen Generation für das Krisenmanagement der Politik bröckelt ebenso zusehends, wie der soziale Frieden in diesem Land. Und wir erlauben uns, nochmals darauf hinzuweisen, dass es ohne die Legalisierung sicherer Freiräume in jedem Fall zu einer nennenswerten Zunahme von Ansteckungen im Privaten und Verborgenen kommen wird – und zwar umso mehr, je länger dieser Zustand andauert. Wer das nicht hören will, ignoriert abermals die drängenden und berechtigten Bedürfnisse einer Generation von Heranwachsenden, die sich nicht ewig kaltstellen lassen, und hat entsprechende Medienberichte des vergangenen Jahres bereits verdrängt. Was man uns angesichts unserer Expertise und Erfahrungen in entsprechenden Milieus bitte glauben möge: auch in den kommenden Wochen verordneten Lockdowns werden unkontrollierte Zusammenkünfte, private Feiern und illegale Partys stattfinden, denen man mit institutionalisierten 2G+ Angeboten eine sichere Alternative entgegengesetzt hätte. Dass diese Angebote seit September durchaus bevorzugt genutzt wurden und nun genutzt worden wären, bestätigten uns Betreibende und Gäste immer wieder. Das gleiche gilt für den Impfanreiz, der für manch einen von 2G-Veranstaltungen ausging und nun entfällt. 

Ohne weitreichende finanzielle Unterstützung droht vielen Clubs erneut das Aus
Im Unterschied zum Lockdown Ende vergangenen Jahres, wurden bisher weder Zusagen noch Gesprächsangebote zum Thema Finanzhilfen gemacht. Die im Dezember auslaufende Überbrückungshilfe III Plus und die Kurzarbeiterregelung können nur einen Teil der Kosten decken, von der Kompensation von Umsatzeinbußen ganz zu schweigen. Der Umstand, dass es die Wintermonate sind, in denen Clubs angehalten sind, Rücklagen für das Sommerloch zu bilden, verschärft die Situation weiter. Die sächsische Clubkultur braucht daher jetzt eine adäquate finanzielle Unterstützung für die Zeit verordneter Schließung sowie sinnvolle Programme für den Neustart 2022.

Felix Buchta: 

„Uns ist klar, dass wir in der gegenwärtig hoch-emotionalen Debatte vor allem auf viele taube Ohren stoßen und Geschlossenheit für die kommenden drei Wochen wichtiger sein dürfte als Starrsinn. Trotz berechtigter Zweifel, hoffen wir sehr, dass sich die Lage mit dem Gesamtpaket an Maßnahmen nachhaltig beruhigen lässt. Doch was, wenn die Zahlen in drei Wochen nicht gesunken sind? Wird dann die Staatsregierung verzweifelt an einer Schließung von Clubs als vermeintliche Hotspots festhalten, notfalls mit der erneuten Auferlegung von Masken- und Abstandspflicht? Und was, wenn die Zahlen gesunken sind? Interpretiert die Staatsregierung ihre Maßnahmen dann pauschal als Erfolg und hält ebenso an der Schließung fest?“

Steffen Kache:

„Junge Leute, denen gesagt wurde, sie sollen sich impfen lassen und bekommen dann ihr Leben zurück, tragen einmal mehr die Last der Pandemie. Es ist immer weniger vermittelbar, warum das Verursacherprinzip nicht konsequent angewendet wird und auch unangenehme Maßnahmen wie eine Impfpflicht für diejenigen nicht ernsthaft diskutiert werden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit schwer erkranken können und ins Krankenhaus müssen. Es droht sonst der Verlust der Unterstützung einer ganzen Generation.“


Weichen für 2G+ müssen jetzt gestellt werden!
Mit Planlosigkeit und falschen Versprechen hat die Politik auf Bundes- und Landesebene in den letzten Monaten abermals Vertrauen verspielt und mögliche Chancen der Pandemie-Eindämmung ungenutzt verstreichen lassen, etwa eine frühzeitige und flächendeckende Einführung von 2G+ und die Vorbereitung der Booster-Impfungen. In weiten Teilen der Gesellschaft schwinden angesichts dessen Kraft, Empathie und Solidarität. Es braucht daher endlich eine konsequente Strategie zur Verhinderung der Überlastung des Gesundheitssystems und die darf nicht auf ewig Lockdown heißen. Die vage Hoffnung auf Finanzhilfen und die Aussicht auf etwas Öffnung in den Sommermonaten werden das Überleben unserer Kulturlandschaft nicht garantieren können. Die Möglichkeit für eine nachhaltige und sichere Öffnung ist uns mit 2G+ inzwischen allerdings gegeben, wie mittlerweile auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach betont: “Clubs, Bars und Restaurants müssen nicht geschlossen werden, wenn dort 2G plus gilt”. (RND, 18.11.21) 

Darum fordern wir, so schnell wie nur möglich:

1) eine verlässliche und beständige Öffnungsperspektive für Clubs und Livemusikspielstätten!

D.h. mit Auslaufen des Lockdowns mindestens die Aussicht auf 2G+ etwa in Landkreisen mit definiertem Infektionsgeschehen und gerne mit höchsten Anforderungen an entsprechende Schnelltests. Denn es liegen je nach Anbieter erhebliche Leistungsunterschiede vor.

2) Entschädigungen für die Zeit vermeintlich unvermeidbaren Lockdowns!

D.h. mindestens die Verlängerung der Antragsfrist des Soforthilfe-Zuschuss-Programmes “Härtefälle Kultur”. Sinnvoll wäre auch, wenn sich der Freistaat beim Bund um eine Verlängerung des Maßnahmezeitraumes für das “Förderprogramm für kleinere und mittlere Musikbühnen” bei der Initiative Musik bemüht.”

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